Trend Teilzeitarbeit

Den Begriff Teilzeitarbeit verknüpfte man bis vor wenigen Jahren hauptsächlich mit Frauen, die neben der Betreuung ihrer Kinder auch wieder Fuss im Berufsleben fassen wollten.

 

Immer mehr arbeiten aber auch Männer, Senior Manager, kinderlose oder ältere Personen Teilzeit. Die Gründe dafür sind sehr verschieden: die Betreuung der eigenen Kinder, die Ausübung eines Hobbys, die Pflege der Eltern oder eine längere Weiterbildung sind ein paar Beispiele dafür. Kurz: Die Work-Life-Balance gewinnt mehr und mehr an Bedeutung und wird sich zu einem Grundbedürfnis des modernen Menschen entwickeln.

 

Noch steht dem Arbeitsmodell Teilzeit von vielen Seiten grosse Skepsis gegenüber und es wird wahrscheinlich einige Jahre dauern, bis sich die Teilzeitarbeit behauptet hat. In dieser Zeit wird sich zeigen, wie sich dieses Modell in der Praxis auswirkt und welche Konsequenzen es in finanzieller und personalpolitischer Hinsicht für Unternehmen hat.

 

Einen Schritt in diese Richtung machte die Bundesverwaltung Mitte 2013: Sie führte den Rechtsanspruch für Teilzeitarbeit ein. So steht es jedem beim Bund angestellten Elternteil frei, nach der Familiengründung das Pensum um 20 Prozent zu reduzieren. Dies unter der Voraussetzung, dass der Beschäftigungsgrad durch die Pensenreduktion nicht unter 60 Prozent fällt. Das Eidgenössische Personalamt ist derzeit daran, die Zahlen aus den einzelnen Departementen zu sammeln. Auf den Bericht, der im Frühling 2015 veröffentlicht werden soll, dürfen wir gespannt sein. Wird darin das Arbeitsmodell Teilzeitarbeit als grundsätzlich positiv und durchführbar erklärt, entscheidet der Bundesrat in einem weiteren Schritt, ob ein allgemeiner Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit eingeführt werden soll.

 

Bereits heute ermöglichen verschiedene moderne Unternehmen ihren Mitarbeitenden flexible Arbeitsmodelle und nehmen erhöhte Koordinations- und Verwaltungsaufwände in Kauf.

 

Beispielhaft dafür ist die AXA Winterthur. Yvonne Seitz, Abteilungsleiterin Diversity & Family Care erklärt im Interview mit der Zeitschrift Persorama, warum die AXA Winterthur sich für die Teilzeitarbeit einsetzt. So ist Yvonne Seitz überzeugt, dass ein Unternehmen nur dann die besten Talente anzieht, wenn es die Bedürfnisse seiner Mitarbeitenden ernst nimmt. Sie weiss, dass der Erhalt von qualifizierten Leuten nicht nur Kosten spart, sondern auch die Glaubwürdigkeit gegen aussen steigert. Menschen in ihrer Individualität und mit ihren Kompetenzen zu beschäftigen, sieht sie als Bereicherung für ein Unternehmen, denn diese Erfahrungen werden auch ins Unternehmen getragen. Zudem ermöglicht eine Pensenreduktion einer anderen Person, diese Arbeit zu machen, etwas Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

 

Voraussetzung für eine positive Teilzeitarbeit-Kultur im Unternehmen ist, dass die Geschäftsleitung hinter dieser Thematik steht und zusammen mit der Person zu einer gemeinsamen Lösung findet. Auf der einen Seite müssen die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst genommen, auf der anderen Seite Unterstützung für die Vorgesetzen bei der Umsetzung angeboten werden.

 

Kommt das zusammen, ist vieles möglich. Das belegen auch die Fakten der AXA Winterthur: Die Anzahl Mitarbeitender, die regelmässig von zu Hause aus arbeiten, hat sich in den vergangenen zwei Jahren versechsfacht und während vor fünf Jahren im Senior Management erst gerade mal 6 Prozent Teilzeit arbeiteten, sind es heute schon 15 Prozent. Das ganze Interview lesen Sie hier.

 

Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Teilzeitarbeit und damit eine ausgewogene Work-Life-Balance ermöglichen, fördern ein positives Arbeitsklima, denken zukunftsorientiert und werden im Wettbewerb um die besten Köpfe erfolgreich sein.